Anton Wildgans
Österreichischer Lyriker und Dramatiker 1881 - 1932
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ANTON WILDGANS
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ANTON ALEXEJ ILJA MAXIMILIAN WILDGANS

FRIEDRICH ANTON RUDOLF WILDGANS

Prof. Friedrich Anton Rudolf Ritter von Wildgans

 

5. Juni 1913 in Wien - 7. November 1965 in Mödling

 

Musiker und Komponist

Professor des Salzburger Mozarteums und der Wiener Musikakademie

Präsident der Österreichischen Sektion der Internationale Gesellschaft für Neue Musik 

 

 

Sohn des österreichischen Lyrikers und Dramatikers Anton Otto Georg Ritter von Wildgans 

 

Friedrich Wildgans auf Wikipedia

 

 

Prof. Friedrich Anton Rudolf Ritter von Wildgans   1950

 

 

 

BIOGRAPHIE

 

1913 - Geboren am 5. Juni 1913 in Wien

 

1917 - Musikalisches Wunderkind. Spielt bereits im Alter von 3 Jahren mit seinem Vater zusammen Geige

 

ab 1919 - Geigenunterricht bei Mathias Winkelmayer

 

1921 - Die ersten ernstzunehmenden Kompositionen entstehen. Er betreibt alle musikalische Studien als Privatschüler, an einer Musikakademie ist er nie inskribiert.

 

ab 1924  - Unterricht in Musiktheorie und Komposition bei Joseph Marx, Studien bei Paul Weingarten und Roland Raupenstrauch (Klavier) und Gottfried Feist (Violine)

 

1927 - Erwirbt aus seinen Ersparnissen eine Klarinette und beginnt sofort autodidaktisch zu lernen. Es wird sein Hauptinstrument. Erhält schließlich Unterricht bei Prof. Victor Polacsek

 

ab 1930 - Auftritte als Klarinettist

 

1930 bis 1960 - Aufsätze, Kritiken und Vorträge zur zeitgenössischen Musik (u. a. Webern-Monographie)

 

1934/35 - Lehrer am Salzburger Mozarteum (Klarinette, Klavier, Kammermusik)

 

1936/37 - Gemeinsam mit Marcel Rubin Leitung der Konzertreihe „Musik der Gegenwart" in Wien

 

1936 bis 1940 - Klarinettist im Bühnenorchester der Staatstheater, Tätigkeit auch als Korrepetitor

 

1940 bis 1942 - Gestapohaft wegen Widerstandes gegen das nationalsozialistische Regime (Zusammenarbeit mit der „Österreichischen Freiheitsbewegung")

 

1942 bis 1945 - Bis zum Ende des NS-Regimes Ausschluss von öffentlichen Anstellungen, Tätigkeit u. a. als Hilfsbuchhalter, neuerliche Kontakte zu Widerstandsbewegungen („Der Berghofbauer", „05")

 

1945 - Wiedererrichtung der Österreichischen Sektion der IGNM (Geschäftsführender Vizepräsident)

 

1945 bis 1946 - Abteilungsleiter an der Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst in Wien

 

1946 bis 1950 - Musikreferent der Stadt Wien

 

1949 bis 1961 - Präsident der Österreichischen Sektion der IGNM

 

1955 bis 1965  - Neuerlich Lehrtätigkeit an der Akademie, zuletzt Bibliothekar an der Abteilung für Kirchenmusik

 

1951 bis 1955 - Vorträge und Kurse bei den Darmstädter Internationalen Ferienkursen für Neue Musik

 

1954 - Infolge eines Schlaganfalls Beendigung der Interpretenlaufbahn als Klarinettist

 

1957 - Verleihung des Titels „Professor"

 

1965 - Gestorben am 7. November 1965 in Mödling

 

 

 

Verheiratet: 

In 1. Ehe am 4.12.1934 mit der Sängerin Edith Beer (18.4.1897 - 18.12.1970)

In 2. Ehe 1946 mit der Sängerin Helene „Ilona“ Steingruber (8.2.1912 - 10.12.1962)

In 3. Ehe am 18.5.1965 mit der Sängerin Rosy Fragner (28.12.1919 - 22.7.2018)

 

Tochter aus der 2. Ehe mit Ilona Steingruber: Renate Wildgans (geb. 3.2.1946)

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedrich Wildgans war ein Frühvollendeter - ein wesentlicher Teil sein Schaffens entstand schon in jungen Jahren.

Er bekannte sich zunächst zu Strawinsky, Hindemith und Bartok; später kamen Einflüsse der Schönberg-Schule hinzu, ohne dass sich Wildgans jemals orthodoxer Dodekaphonik verschrieb. In späteren Jahren nähert sich Friedrich durch die Freundschaft mit Anton Webern der “Wiener Schule” an.

Charakteristisch ist sein Ur-Musikantentum, dass sich mit jedem Material in höchster Virtuosität und mit großem Humor auseinandersetzt.

Die wesentlichen Geschehnisse der Musik zwischen 1945 und 1960 sind in seinen Kompositionen in durchaus persönlicher Weise zur Synthese gebracht, doch bleibt die Welt experimenteller Avantgarde ausgeklammert - also eine bewusste Ablehnung Friedrichs zur seriellen Musik der Fünfziger-Jahre.

 

Friedrich Wildgans wurde am 5. Juni 1913 in Wien geboren.

Als Sohne des Dichters und Burgtheaterdirektors Anton Wildgans erhielt er eine umfassende musikalische Ausbildung; Unterricht in Theorie und Komposition erteilte der Komponist Joseph Marx, ein enger Freund der Familie.

Daneben erlernte Friedrich auch noch die Instrumente Geige, Klavier und - ab dem Alter von 14 Jahren, also relativ spät - die Klarinette, die sein Hauptinstrument werden sollte. Hier war sein Lehrer Viktor Polacek, der damalige Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Friedrich alle musikalische Studien als Privatschüler betrieb, an einer Musikakademie war er nie inskribiert.

 

Seine musikalische Karriere begann sehr früh. Bereits ab dem Alter von 11 Jahren nahm er regelmäßig Kompositionsunterricht;  erste Kompositionsversuche entstanden schon sechs Jahre zuvor. Das erste auch später noch anerkannte Werk schrieb er bereits mit 14 Jahren (1927): die Sonatine für Horn und Klavier, Op.5

Auch als Instrumentalist war Friedrich ein Frühvollendeter - beispielsweise spielte er die “Vier Stücke für Klarinette und Klavier” von Alban Berg bereits als Sechzehnjähriger in einem öffentlichen Konzert.

Sein erstes Orgelkonzert gab er im März 1930 in der St. Othmarkirche mit 17 Jahren.

Auch das praktische Musizieren kam nicht zu kurz: die intensive Beschäftigung mit dem Instrument Klarinette eröffnete ihm eine zweite Karriere.

Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 1932 sah sich die Familie vor finanzielle Probleme gestellt. Für Friedrich bedeutete dies, dass er sich ab nun (er war 19 Jahre) selbst um seinen Lebensunterhalt zu kümmern hatte. So trat er als Instrumentalist auf, sogar als Kino-Organist, hatte Privatschüler und arbeitete gelegentlich für Verlage und Konzertgesellschaften.

Im Jahr 1934 erfolgte schließlich die Berufung als professialer Lehrer (mit 21 Jahren als Jüngster Österreichs!) an das Mozarteum in Salzburg. Diesen Ruf zu Direktor Bernhard Paumgartner hatte er auf keinen Fall nur seinem berühmten Namen zu verdanken (unter dem er Zeit seines Lebens litt). Er war trotz seiner Jugend als Instrumentalist und auch in fachspezifischen Kreisen bereits als Komponist und Musiktheoretiker ein “Geheimtipp”.

Im Jahr 1936 trat er seinen Dienst als Klarinettist im Bühnenorchester des österreichischen Staatstheater an.

Bereits 1938 ergaben sich Probleme - seine jüdische Frau entsprach nicht den Rassegesetzen. Im Herbst 1940 wurde er verhaftet. Nach fast zweijähriger Haft wurde er im Februar 1942 nach unermüdlichen Einsatz seiner Mutter in sehr schlechtem Gesundheitszustand freigelassen. Er überlebte die Kriegsjahre kurz in Berlin und später wieder in Wien - ohne Anstellung, da er natürlich aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen war. Er musste sich mit illegalen Tätigkeiten durchbringen, spielte in Kirchen und gab Konzerte.

Nach 1945 sah sich Friedrich wieder einer Vielzahl von künstlerisch erfolgreichen Aufgaben gegenüber. Als Komponist wie als Interpret konnte er endlich die ihm gebührende Anerkennung finden.

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete er die bekannte Sopranistin Ilona Steingruber. Gemeinsam mit ihr setzte er sich in den folgenden Jahren auch als Interpret intensiv für die zeitgenössische österreichische Musik ein. Ilona Steingruber starb aber bereits 1962.

Mitte der 50er Jahre übernahm er eine Lehrverpflichtung an der Wiener Musikakademie.

In seiner dritten Ehe mit Rosy, ebenfalls Sängerin, verbesserte sich zwar sein sehr angegriffener Gesundheitszustand., doch ein Lungeninfarkt beendete 1965 sein Leben bereits mit 52 Jahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

WERKE 

 

 

 

INSTRUMENTALWERKE

 

Klavier solo:

 

Etüde (1949)

 

Klarinette solo: Technische Studien op. 34 – 2. Teil: Nicht-tonale Skalen und Akkordstudien (1935)

 

 

 

Duos und Kammermusik für Streicher:

 

Kleines Duo für zwei Violinen op. 16a (1930)

 

Duo-Sonatine für Violine und Violoncello op. 45 (1939/42)

 

Drei kleine Stücke für Streichtrio op. 11 (1929/35), Erste belegte Aufführung: 11. April 1960

 

 

 

Duos und Kammermusik für Bläser (mit/ohne Klavier):

 

Kleine Sonatine für Flöte und Klavier op. 28a (1933/35), Erste belegte Aufführung: 4. Mai 1965

 

Drei Vortragsstücke für Klarinette und Klavier op. 14 (1929) /UA 10. Jänner 1930

 

Sonatine für Klarinette und Klavier op. 49 (1950/59), UA 5. April 1963 Wien

 

Drei Inventionen für Klarinette und Horn op. 19a (1930/35)

 

Sonatine für Horn und Klavier op. 5 (1927) / UA 11. April 1935

 

Kleines Trio für Flöte, Klarinette und Fagott op. 15 (1930) / 

 

Kleines Kammertrio für Oboe, Englischhorn und Fagott op. 21 (1932/40) / Erste belegte Aufführung: 4. Februar 1964 Wien

 

 

 

Kammermusik für gemischte Besetzung:

 

Kleine Haus- und Spielmusik in sieben Tönen für Flöte, Violine und Violoncello

op. 37 (1935/56)

 

 

 

Blechbläser und Schlagwerk:

 

Festliche Musik für Blechbläser und Schlagwerk (1945)

 

 

 

Orchester:

 

2. Konzert für Klarinette und kleines Orchester op. 48 (1948) / UA 8. Juni 1951

 

Konzert für Trompete, Streichorchester und Schlagwerk op. 29 (1935) / UA 27. Juni 1949 Wien

 

 

 

 

VOKALWERKE

 

 

Gesang und Klavier/Kammerensemble

 

An den Knaben Elis. Drei Kammerlieder für Sopran, Klarinette, Violine und Violoncello, op. 12 (1929/60) Text: Georg Trakl

 

Missa minima für Sopran, Klarinette, Violine und Violoncello op. 23 (1932/54) 

 

Drei Klavierlieder für hohe Stimme und Klavier op. 26 (1930/34/55)

I. Nachts... (Text: Georg Trakl)

II. Wirst du ein Engel sein? (Text: Cäsar Flaischlein)

III. Ewig im Nächtlichen... (Text: Alfons Petzold)

 

Der mystische Trompeter. Ein Zyklus nach sechs Gedichten für hohe Stimme,

Trompete und Klavier op. 47 (1946) Text: Walt Whitman (deutsch von Gustav Landauer), UA 12. November 1946

 

 

Chor a cappella:

 

Drei kleine geistliche Motetten für vielstimmigen gemischten Chor a cappella op. 38(1935/51)

44 114 I. Laudate Dominum

44 115 II. Dilexisti Iustitiam

44 116 III. Te decet Hymnus

UA 13. Jänner 1958 Wien

 

Eine Singweise für vielstimmigen gemischten Chor a cappella op. 41 (1936/51)

Text: Ulrich von Liechtenstein (neuhochdeutsche Übertragung von A. Grünstein)

 

Drei Lieder für gemischten Chor a cappella op. 43 (1942/44)

Text: Abraham a Sancta Clara

G 341 I. Herbei

G 342 II. Betrübtes Herz

G 343 III. Des Höchsten Wort

42 843 Heftausgabe

UA vermutlich 1944

 

 

 

Soli, Chor und Orchester:

 

Eucharistische Hymnen. Eine volkstümliche Kantate nach liturgischen Texten für

Sopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester op. 50 (1947-54) / UA 14. Juni 1954 Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DAS SCHAFFEN VON FRIEDRICH WILDGANS

von Leo Brauneiss

 

Das Auffälligste am Schaffen von Friedrich Wildgans ist zweifelsohne die handwerkliche Sicherheit, mit der er sich verschiedener Kompositonstechniken bediente, in unterschiedlichen stilistischen Sphären gleichermaßen zu Hause war und sie mitunter auch gegeneinander „ausspielte". Ein Grund dafür mag sein, dass er in ästhetischer Opposition zu seinem Kompositionslehrer Joseph Marx stand, einem Freund der Familie. So musste er sich als junger Feuergeist seine Vorbilder selbst suchen und fand sie allenthalben. Bereits 1929, also mit 16 Jahren, erprobte er in einer Vertonung eines Gedichtes seines Vaters „Alles Tagverlangen ist zur Ruh" gegangen die Zwölftontechnik; später legte er sie dann unter anderem dem spielerischen Gestus der Duo-Sonatine für Violine und Violoncello und dem lyrischen zweiten Satz der Drei Vortragsstücke für Klarinette und Klavier zugrunde. Was sein Verhältnis zur Wiener Schule betrifft, so kannte er den in unmittelbarer Nähe seines Mödlinger Elternhauses wohnenden Anton Webern persönlich. Als Klarinettist wie als Autor - unter anderem eines auf Englisch und Deutsch erschienenen Webern-Buches - wurde er nicht müde zu betonen, welche das konstruktive Gerüst überragende Bedeutung Ausdruck und Klangsinn in den Werken der Wiener Schule haben. Seine diesbezüglichen aufführungspraktischen Erfahrungen gab er nach dem zweiten Weltkrieg auch als Lehrer bei den Darmstädter Ferienkursen weiter. In seinem eigenen Schaffen waren aber andere Einflüsse prägend, vor allem der frühe Hindemith und die französische Komponistengruppe der Six, namentlich Arthur Honegger und Darius Milhaud: Knappe Formulierungen, ironische Pointen und ein musikantischer Schwung fern jeder Sentimentalität kennzeichnen alle seine Werke über den Wandel des stilistischen Erscheinungsbildes hinaus. Kann sich das Klangbild in manchen Kompositionen der Zwischenkriegszeit wie den Drei kleinen Stücken für Streichtrio expressionistisch schärfen, so ist für die vergleichsweise wenigen nach 1945 komponierten Werke eine Vereinfachungstendenz charakteristisch, die Breitenwirkung anstrebt und auch (wie etwa beim Liederzyklus Der mystische Trompeter aus dem Jahre 1946) ungetrübte Diatonik miteinschließt. Äußeres Indiz dafür ist die Bezeichnung „volkstümlich", die sich in den Werktiteln Zwei volkstümliche böhmische Lieder und der „volkstümlichen Kantate" Eucharistische Hymnen findet. Die Uraufführung dieses Hauptwerkes der letzten Schaffensperiode löste einen veritablen Skandal aus. angefeindet wurde die als unpassend empfundene Verbindung geistlicher Texte mit synkopierten Rhythmen. Geradezu postmodern mutet Wildgans an, wenn er verschiedene stilistische Sphären ineinander übergehen lässt, gegeneinander stellt oder miteinander vermittelt. Bereits in den frühen neoklassizistischen Werken (wie etwa dem in den Eckteilen neobarocken Kleinen Duo für zwei Violinen) kann es vorkommen, dass sich - als überraschende Wendung - die Stimmen eines polyphonen Satzes für kurze Zeit zu traditionellen Akkordfolgen zusammenfinden. In der kammermusikalischen Missa minima folgt auf das g-Moll eines Benedictus „in modo classico" - so die Satzüberschrift - ein freitonales, auf den Ton G zentriertes Hosanna und diesem wieder ein zwölftöniges Agnus Dei. Man kann in das Ineinander Übergehen und aufeinander Prallen so gegensätzlicher musikalischer Stile und Strukturen Verschiedenes hineininterpretieren, ganz sicher war es Wildgans aber immer ein Anliegen, kurzweilige, vergnügliche, darob aber nicht seichte Musik zu schreiben - mit Witz, Biss und Ironie.